Die Kostenkalkulation für Bauprojekte und Bestandsbewertungen ist nach wie vor ein dynamisches Feld. Die neuesten Zahlen der Statistischen Ämter zeigen einen anhaltenden Preisanstieg im Bausektor. Während sich die Kosten für den Rohbau verhältnismäßig stabil zeigen, treiben die technischen Ausbaugewerke die Kosten weiterhin nach oben. Ein Überblick.
Bauen wird teurer, aber die Dynamik verändert sich
Das Statistische Bundesamt hat die Zahlen für November 2025 veröffentlicht, und die Kernbotschaft lautet: Moderate, aber stetige Steigerung. Im Vergleich zum Vorjahr (November 2024) sind die Preise für den Neubau konventioneller Wohngebäude in Deutschland um 3,2 % gestiegen.
Dabei zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Rohbau – dem reinen „Skelett“ des Hauses – und dem Innenausbau:
- Der Rohbau: Hier beruhigt sich der Markt etwas. Mit einem Anstieg von 2,5 % liegen die Teuerungsraten unter dem Durchschnitt. Beton- und Mauerarbeiten verzeichnen hierbei die geringsten Zuwächse (+1,5 % bzw. +1,3 %).
- Der Ausbau: Sobald es an das Innenleben der Immobilie geht, steigen die Kosten deutlicher. Ausbauarbeiten legten um 3,8 % zu.
Der Freistaat im Vergleich
In Bayern fällt die Teuerung im Neubau etwas geringer aus als im Bundesdurchschnitt. Das Bayerische Landesamt für Statistik meldet einen Anstieg von 2,6 % gegenüber dem Vorjahr.
Doch Vorsicht vor dem sogenannten Basiseffekt: Wer die langfristige Entwicklung betrachtet, sieht die wahren Kosten. Seit dem Basisjahr 2021 sind die Preise für Rohbauarbeiten in Bayern um 20,0 % gestiegen, die Preise für Ausbauarbeiten legten im selben Zeitraum sogar um 32,7 % zu.
Kostentreiber im Detail
Wo genau müssen Sie mit Mehrkosten rechnen? Sowohl bundesweit als auch in Bayern treiben vor allem technische Gewerke und spezialisierte Handwerksleistungen die Preise. Die Preistreiber im Überblick:
- Haustechnik (DE): Elektro-, Sicherheits- und Informationstechnik (+5,4 %) sowie Heizungsanlagen (+4,4 %) sind deutlich teurer geworden. Die Modernisierung der Gebäudetechnik bleibt ein kostenintensiver Faktor.
- Holz und Dach (DE): Zimmer- und Holzbauarbeiten (+5,4 %) sowie Dachdeckungsarbeiten (+4,5 %) liegen weit über der Inflationsrate.
- Spezialfall Bayern: Hier stechen besonders Verglasungsarbeiten mit einem Plus von 6,2 % hervor. Auch Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen haben sich um fast 6 % verteuert.
Gibt es auch gute Nachrichten? Ja, vereinzelt entspannt sich die Lage. In Bayern sind beispielsweise Arbeiten mit Naturwerkstein (-2,3 %) und Betonwerkstein (-1,2 %) sogar günstiger geworden als im Vorjahr. Auch bei Aufzugsanlagen gab es einen minimalen Preisrückgang.
Gewerbeimmobilien und Instandhaltung
Auch im gewerblichen Sektor kam es zu Kostensteigerungen. So stiegen die Neubaupreise für Bürogebäude deutschlandweit um 3,5 %, während gewerbliche Betriebsgebäude mit +3,3 % etwas darunter lagen.
Ein wichtiger Aspekt für Bestandsalter ist die Instandhaltung. Hier müssen Sie Ihre Rücklagen anpassen: Die Preise für Instandhaltungsarbeiten (ohne Schönheitsreparaturen) stiegen um 4,1 %. Dieser Wert liegt über der Steigerungsrate für Neubauten. Da Instandhaltungsmaßnahmen einen direkten Einfluss auf die Bewirtschaftungskosten haben, gewinnt dieser Faktor für die Renditeberechnung an Relevanz.
Ausblick
Die Zeiten extrem volatiler Preissprünge scheinen vorerst vorbei zu sein, doch wir haben uns auf einem hohen Preisniveau eingependelt. Die aktuelle Entwicklung zeigt eine Stabilisierung im Rohbau, während der technische Ausbau und energetische Komponenten (Dämmung, Heizung) weiterhin Preistreiber bleiben.
Da die Kosten für Instandhaltungsarbeiten stärker steigen als die für den Rohbau, lohnt sich eine genaue Wirtschaftlichkeitsberechnung: Ist eine Sanierung noch der kosteneffizienteste Weg oder bietet ein Ersatzneubau langfristig bessere Perspektiven?
© Bildquelle: KI-generiert mit Gemini (Google)
Ansprechpartner
Bei Fragen senden sie uns eine Mail an info@igbay.de.
Newsletter
Zum monatlichen Newsletter anmelden.

